das Jahr hat erst begonnen, aber es fühlt sich aufgrund der dynamischen Nachrichtenlage schon an wie Mitte 2026.
Zu nennen sind hier die Reden und Ankündigungen, die am und rund um das diesjährige World Economic Forum (WEF) in Davos verlautbart wurden, die immer deutlicher erkennen lassen, dass die Weltwirtschaftsordnung, die seit einem dreiviertel Jahrhundert durch Regelbasiertheit und Anerkennung (internationaler) Institutionen gekennzeichnet war, mindestens beschädigt ist. Geopolitische Umbrüche und Fragmentierungstendenzen der Wirtschaftsordnung sind auch Treiber der neun Risiken im Fokus der BaFin 2026, neben Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die BaFin formuliert darin, dass Sie ihre Aufsicht über physischen Klimarisiken und die Prävention von Greenwashing intensivieren wird. Der Global Risk Report 2026 des WEF, der jährlich im Rahmen des Davoser Forums veröffentlicht wird, bestätigt die Relevanz dieser Themen: Kurzfristig sind geopolitische Spannungen und ökonomische Konfrontationen die größten Risiken für die Jahre 2026 bis 2028, Umwelt- und Klimarisiken dominieren aber klar den Zehn-Jahres-Horizont. Unternehmen, die nur auf akute Krisen reagieren, laufen Gefahr, langfristig strategisch falsch zu priorisieren.
Immer deutlicher wird dabei auch die Materialität des Themas Wasser bzw. das Schlagwort „Wasserbankrott“. Es entstammt dem Global Water Bankruptcy Report 2026. Der Bericht stellt fest: Wassersysteme sind nicht nur überlastet, sondern dauerhaft geschädigt. Der Bericht richtet sich ausdrücklich auch an Regierungen, internationale Organisationen und Finanzinstitute. Wie Umweltrisiken auf nationaler Ebene strategisch angegangen oder zumindest analysiert werden können, hat das Vereinigte Königreich mit seiner Bewertung der nationalen Sicherheit unter der Überschrift „Global biodiversity loss, ecosystem collapse and national security“ gezeigt. Die Bewertung unterstützt die langfristige Resilienzplanung und zeigt Möglichkeiten für Innovation, Sustainable Finance und globale Partnerschaften auf, die Ökosysteme schützen können, die kollektive Sicherheit und den Wohlstand sichern.
Doch wie sieht es mit den Erfolgen der Dekarbonisierung in Deutschland aus? Hierzu gibt die Agora Energiewende in ihrem jährlichen Bericht Empfehlungen, um die 2030-Klimaziele zu erreichen: Attraktive Strompreise, ein verlässlicher CO₂-Preispfad, schnelle Netzzugänge und gezielte Förderprogramme können die Transformation in Gebäude und Verkehr und die klimaneutrale Modernisierung der Industrie beschleunigen. Entschlossenes Handeln ist notwendig, denn Deutschlands Treibhausgasemissionen sinken 2025 langsamer, sogar nur halb so stark wie im Vorjahr.
Für Sustainable Finance gilt vor diesem Hintergrund: Das Jahr 2026 bringt vielschichtige Entwicklungen. Die kommenden Monate werden insbesondere durch strenge Regulierungen im Risikobereich und die zunehmende Berücksichtigung physischer Klima- und Umweltrisiken geprägt sein. Gleichzeitig eröffnen technologische Innovationen und hochwertige ESG-Daten neue Chancen, Risiken präziser zu bewerten und nachhaltige Investitionsentscheidungen zu treffen. Regional zeigen sich Unterschiede: Europa treibt Regulierung und Transparenz voran, Asien setzt auf grüne Infrastruktur, und die USA bleiben politisch ambivalent, aber marktlich relevant. Viel stärker als bisher wird Transitionsfinanzierung im Mittelpunkt stehen.
Für Finanzinstitute und Unternehmen gilt weiterhin: Wer ESG strategisch versteht und gezielt integriert, kann Risiken reduzieren, Chancen nutzen und die Weichen für eine resiliente Zukunft stellen – bei steigender Bedeutung ebendieser Resilienz.
Was dies im Einzelnen bedeuten kann, diskutieren wir mit unseren Mitgliedern am 02.02. bei unserem Jahresauftakt in Frankfurt. Wir freuen uns, Sie persönlich zu treffen!
Darüber hinaus finden Sie in dieser Newsletter wie gewohnt eine weitere Auswahl an Initiativen, Gesetzen und Publikationen zum ganzen Themenbereich Sustainable Finance, die wir Ihnen gerne zur Aufmerksamkeit bringen
Ihr VfU Team
