Liebe VfU-Community,
mit dem gerade veröffentlichten Eckpunktepapier zur Reform des Gebäude-Energiegesetzes stößt die Bundesregierung größtenteils auf breite Kritik in Wissenschaft und von Expertinnen, auch bei der Wirtschaftsweisen Schnitzer. Einer der zentralen Punkte ist der Wegfall der Regel, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden muss, was den Einbau von Öl- und Gasheizungen verunmöglicht hätte. Stattdessen soll es jetzt eine Grüngas- bzw. eine Grünölquote geben, was den Betrieb mit Gas- und Ölheizungen mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Kraftstoffe möglich machen würde, die es aber absehbar nicht in ausreichendem Maße geben wird. Das Gesetz würde in seiner jetzigen Form also eher die Unsicherheit erhöhen. Für Finanzinstitute ist die Wärmewende zugleich Transformations- und Kreditrisiko – und ein Feld für innovative Finanzierungsmodelle. Verlässlichkeit und Planungssicherheit sind dabei unerlässlich.
Dass Klimaschutz nicht nur Kosten verursacht, sondern sich volkswirtschaftlich rechnet, unterstreicht dagegen das Umweltbundesamt: Jede eingesparte Tonne CO₂ vermeidet erhebliche Folgekosten durch Schäden und Anpassungsmaßnahmen. Diese Perspektive stärkt die ökonomische Argumentation für ambitionierte Transformationspfade – und liefert eine wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen, Risikomodelle und Szenarioanalysen. Gleichzeitig zeigen aktuelle globale Daten von Climate TRACE, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen 2025 einen neuen Höchststand erreicht haben. Diese Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und realer Emissionsentwicklung verschärft den Handlungsdruck – auch mit Blick auf regulatorische Anforderungen und Transitionsrisiken in Portfolios. Etwas weniger negativ ist die Entwicklung: Weltweit beträgt die aktuelle Wachstumsrate der Emissionen nur noch die Hälfte des Wertes, der im restlichen Jahrzehnt zu verzeichnen war. Sie ist von einem durchschnittlichen Anstieg von 1,1 % pro Jahr zwischen 2015 und 2023 auf einen durchschnittlichen Anstieg von 0,5 % in den letzten zwei Jahren zurückgegangen. Dass Klimaschutz juristisch einklagbar ist, bekräftigte jüngst das Bundesverwaltungsgericht: Die Bundesregierung muss beim Klimaschutz nachsteuern. Die Rechtsprechung wird damit zunehmend zu einem Treiber von Transformationsdynamik – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Planungssicherheit, Investitionen und Risikobewertungen. Auch mit dem Gebäude-Energiegesetz im Hinterkopf: Bis zum 25. März muss die Bundesregierung außerdem ein neues Klimaschutzprogramm vorlegen, das die Zeit und die Klimaziele bis 2040 regelt.
Parallel dazu rückt ein weiteres systemisches Risiko stärker ins Blickfeld: Der Verlust der Biodiversität. Die aktuelle Bewertung der IPBES verdeutlicht, wie eng wirtschaftliche Wertschöpfung mit funktionierenden Ökosystemen verknüpft ist – und welche finanziellen Risiken aus Naturdegradation erwachsen. Natur- und Klimarisiken sind keine getrennten Kategorien mehr, sondern konvergieren in strategischen Risiko- und Impact-Analysen. Hinzu kommt eine Debatte, die das Feri Institut jüngst unter dem Stichwort „Uninsurability“ aufgegriffen hat: Wenn physische Klimarisiken nicht mehr kalkulierbar erscheinen, droht eine Neubepreisung oder gar Nicht-Versicherbarkeit ganzer Regionen und Sektoren. Für Banken, Investoren und Unternehmen stellt sich damit die Frage, wie Resilienz, Risikotransfer und Kapitalallokation künftig zusammengedacht werden müssen.
Für Sustainable Finance bedeutet all dies: 2026 wird zum Jahr der integrierten Risiko- und Transformationsperspektive. Transitionsfinanzierung, physische Risiken, Biodiversität und soziale Tragfähigkeit sind keine getrennten Themenstränge, sondern bilden den Rahmen unternehmerischer Zukunftsfähigkeit.
Als VfU begleiten wir diese Entwicklungen weiterhin mit Veranstaltungen, Analysen und Austauschformaten für unsere Mitglieder.
Darüber hinaus finden Sie in dieser Newsletter wie gewohnt eine weitere Auswahl an Initiativen, Gesetzen und Publikationen zum ganzen Themenbereich Sustainable Finance, die wir Ihnen gerne zur Aufmerksamkeit bringen
Ihr VfU Team
