Liebe VfU-Community,
das Jahr 2026 nimmt weiter Fahrt auf – und mit ihm eine Klimapolitik, die komplexer und konfliktreicher wird.
In Deutschland zeigen die aktuellen Treibhausgasdaten des Umweltbundesamt klar, dass die Emissionsminderungen nicht ausreichen, um die bestehenden Zielpfade verlässlich einzuhalten. Besonders auffällig ist dabei die anhaltende strukturelle Schwäche in den Sektoren Gebäude und Verkehr – ein Befund, der sich seit Jahren wiederholt und durch die neuen Zahlen eher bestätigt als relativiert wird. In diesem Kontext hat die Bundesregierung ihr Klimaschutzprogramm 2026 veröffentlicht, welches konkrete Maßnahmen für die Erreichung der Klimaziele bis 2030 nennen soll. Das Programm enthält 67 Maßnahmen, die im Jahr 2030 mehr als 25 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen und damit Deutschland moderner und unabhängiger von unsicheren fossilen Importen machen. Die Stoßrichtung ist klar: Klimapolitik soll stärker mit industrie- und sicherheitspolitischen Zielen verzahnt werden. Dies ergibt sicherlich auch nach Ansicht des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) viel Sinn, der WBGU plädiert in einem neuen Bericht für eine vieldimensionale Sicherheitsarchitektur, die auch Umwelt, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Informationsintegrität, technologische Souveränität und internationale Kooperation als Stützpfeiler einbezieht. Ungeachtet dieser grundsätzlichen richtigen narrativen Ausrichtung kommt jedoch der Expertenrat für Klimafragen zu dem Ergebnis, dass das Klimaschutzprogramm 2026 nicht die Anforderungen aus § 9 Klimaschutzgesetz erfüllt und geht davon aus, dass die bisherigen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen werden, um die Erreichung der Klimaschutzziele sicherzustellen. Skeptisch äußerte sich unter anderem auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und verwies mit Hinweis auf den europäischen Kontext auch auf die Chancen einer ambitionierten Klimapolitik. Dabei sind auch die physikalischen Signale stark wie nie zuvor: Das Klima ist nach einem neuen Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) stärker aus dem Gleichgewicht geraten als jemals zuvor, mit direkten Folgen auch für die Staatsverschuldung: Bis 2050 könnte einer neuen Studie der New Economics Foundation (NEF) zufolge die durchschnittliche Staatsverschuldung der EU-Mitgliedstaaten um 58 Prozentpunkte höher ausfallen als in den offiziellen Prognosen angenommen, sofern den Klimarisiken nicht begegnet wird, einer weiteren wissenschaftlichen Studie zufolge sind die makroökonomischen Schäden durch den Klimawandel um eine Größenordnung höher sind als bisher angenommen. Eine Erwärmung bei unveränderten Rahmenbedingungen bedeute einen aktuellen Wohlfahrtsverlust von mehr als 30 % und gesellschaftliche Kosten für Kohlenstoff von über 1.200 US-Dollar pro Tonne.
Dabei sollte der Blick neben einer reinen Betrachtung von Klimafragen noch geweitet werden: Eine neue Studie deckt erhebliche Lücken in der weltweiten Nachhaltigkeitsforschung auf. Die von einem internationalen Forschungsteam durchgeführte Studie zeigt, dass sich die Bemühungen um eine nachhaltigere Welt stark auf eine begrenzte Anzahl von Maßnahmen und Akteuren konzentrieren, wie etwa solchen im Zusammenhang mit dem technologischen Wandel, während wichtige Strategien und Sektoren, die zur Bewältigung der Klimakrise und des Verlusts der biologischen Vielfalt erforderlich sind, übersehen werden, wie etwa solche, die auf eine Umgestaltung des Wirtschaftssystems abzielen. Unter den Akteuren sind ausgerechnet die Finanzakteure unterrepräsentiert, obwohl wir alle wissen, dass ihr Handeln tiefgreifende Auswirkungen auf die Umweltkrise haben kann.
Was das konkret für Finanzinstitute und Unternehmen bedeutet, diskutieren wir gerne mit Ihnen in unseren kommenden Formaten.
Darüber hinaus finden Sie in dieser Newsletter wie gewohnt eine weitere Auswahl an Initiativen, Gesetzen und Publikationen zum ganzen Themenbereich Sustainable Finance, die wir Ihnen gerne zur Aufmerksamkeit bringen
Ihr VfU Team
