Liebe Mitglieder und Freund*innen des VfU,
von einer Sommerpause kann im Politikfeld nachhaltiges Wirtschaften im Juli 2025 keine Rede sein. Denn im Bereich der Gesetzgebung und Regulierung hat der legislative Zug im Juli wieder etwas angezogen:
Das Bundesjustizministerium legte den Referentenentwurf zur nationalen Umsetzung der CSRD vor, der die CSRD (die „alte“ Regelung mit neuen Anwendungszeitpunkten aus „Stop- the-Clock“) umsetzt. Fast zeitgleich veröffentlichte die EU-Kommission mit dem ESRS „Quick Fix“ eine Erleichterung für Welle 1 Unternehmen. Parallel arbeitet die EFRAG die neuen ESRS aus und legte erste Entwürfe vor, mit einer deutlichen Kürzung der verpflichtenden und optionalen Angaben und weiteren strukturellen Anpassungen. Mit einem Update zur Taxonomie wird Unternehmen vor dem Hintergrund der aktuellen Überarbeitung der Berichterstattung unter Artikel 8 Taxonomie-Verordnung bis zum 31. Dezember 2027 die Möglichkeit eingeräumt, unter bestimmten Voraussetzungen vollständig vom Taxonomie-Reporting abzusehen. Zudem wird der Nenner für die Green Asset Ratio Berechnung angepasst, um ein realistischeres Bild zu erreichen und die Zahl der Datenpunkte wird reduziert.
Mit Blick auf für die Nachhaltigkeitstransformation relevante geoökonomische Entwicklungen sei auf den Zoll-Deal zwischen der EU und den USA hingewiesen, der ebenfalls im Juli verhandelt wurde. Die EU hat sich darin verpflichtet, innerhalb von drei Jahren fossile Energien im Wert von 750 Milliarden USD zu beziehen. Dies entspräche Importen von Kohle, Öl und Erdgas im Wert von 250 Milliarden USD pro Jahr, verglichen zum aktuellen Wert von 60 Milliarden USD pro Jahr – mit entsprechenden Folgen für die Klimaziele. Der Deal zeigt eine neue politische Wirklichkeit, in der der Multilateralismus und eine regelbasierte globale Handelsordnung der nationalen Interessendurchsetzung weicht.
Mit der Aufzählung dieser Entwicklungen des zurückliegenden Monats ist das aktuelle Sustainable Finance Umfeld umrissen, mit dem sich Finanzinstitute auseinanderzusetzen haben: im Nachhaltigkeitsbereich haben wir es 2025 mit einer „fragmented World“ zu tun und es kommt darauf an, für sein Institut einen strategischen Umgang mit diesen Herausforderungen zu finden.
Genau dies wollen wir gemeinsam mit Ihnen und anderen Expertinnen und Experten am diesjährigen UNEP FI / VfU Roundtable am 16. Oktober 2025 tun. Unter dem Motto: „Zeitenwende für Nachhaltigkeit? Sustainable Finance zwischen Resilienz und Impact“ wollen wir die Herausforderungen der „Sattelzeit“ diskutieren und Erfolgskonzepte für den Business Case, der mit der nachhaltigen Transformation verbunden ist, herausarbeiten. Der UNEP FI / VfU Roundtable zeigt dabei wie in jedem Jahr den State of the Art im Schnittbereich Finanzwirtschaft und Nachhaltigkeit auf und sendet die Botschaft aus: Nachhaltigkeit ist der strategische Fokus, der Geschäftsmodelle resilient und zukunftsfest macht.
Anfang Juli fand außerdem die Abschlusskonferenz der Projektphase der Fördermaßnahme „Klimaschutz und Finanzwirtschaft“ statt, welche vom BMFTR gefördert wurde und die durch ein von VfU gemeinsam mit der Universität Hamburg durchgeführtes Projekt begleitet wird. Die von VfU und Universität Hamburg organisierte Konferenz diente vor allem auch dazu, die Forschungsergebnisse von 14 Projekten, die in den letzten drei Jahren zu Sustainable Finance geforscht haben, an Entscheidungsträgerinnen an Verwaltungs- und Finanzpraxis zu kommunizieren und mit diesen in den Austausch zu treten. Weitere Eindrücke finden Sie weiter unten im Newsletter.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir Sie auch gleich zur nächsten wissenschaftlichen Abschlusskonferenz einladen und zwar zur derjenigen von CREATE, die am 16. September in Frankfurt stattfindet und das Thema Finanzierung der energetischen Sanierung behandelt.
Darüber hinaus finden Sie wie gewohnt eine weitere Auswahl an Initiativen, Gesetzen, und Publikationen zum ganzen Themenbereich Sustainable Finance, die wir Ihnen gerne zur Aufmerksamkeit bringen.
Ihr VfU Team
In eigener Sache
Zum Schluss nochmal die Bitte um Feedback und Anregungen zu unserem Newsletter sowie um Hinweise und Meldungen aus Ihren Häusern für die nächsten Newsletter . Diese können Sie uns gerne jederzeit zusenden, an: info@vfu.de.
