Newsletter „Sustainable Finance Kompakt“ 11/2025

Liebe Mitglieder und Freund*innen des VfU,

vor über 30 Jahren wurde die Klimarahmenkonvention UNFCCC (United Nation Framework Convention on Climate Change) verabschiedet und kurz darauf fand die erste jährliche Vertragsstaatenkonferenz Conference of the Parties (COP) statt. Vor 10 Jahren verhandelten die teilnehmenden Staaten der Conference of the Parties COP 21 das Ziel, die globale Erderwärmung auf 1,5°C bzw höchstens 2°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Die diesjährige Jahrestagung (COP 30), die vom 10.-22. November in brasilianischem Bélem stattfand, lieferte trotz der hohen Relevanz weitreichender Maßnahmen letztendlich enttäuschende Ergebnisse für eine globale Klimapolitik. Ein Fossil Fuel Phase-out konnte nicht im Abschlussdokument erreicht werden, jedoch startete die brasilianische Präsidentschaft nach dem gegenwärtig vielfach erprobten Konzepts der coalition of the willing – parallel zur offiziellen Abschlusserklärung – einige gute Ansätzedazu. Neue Finanzierungslösungen, wie der Fonds zum Schutz des Tropenwalds, wurden vorgestellt, müssen aber zuerst noch ins Laufen kommen und stehen vor schwierigen Umsetzungsfragen. Es mehren sich jedoch die Zweifel, ob die COP als Format für globale Klimapolitik geeignet ist. Zu langsam sind die Fortschritte der Staaten. 

Die aktuellen Bestandaufnahmen, wie etwa der Emission Gap Report der UNEP, der Net Zero Policy Report oder der World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur zeigen mindestens ein gemischtes Bild: Entgegen den Behauptungen über Regulierungsmüdigkeit und politische Rückschritte wurden im vergangenen Jahr in den meisten Regionen weiterhin Fortschritte erzielt, wenn auch in unterschiedlichem Maße, wobei sich der Schwerpunkt angesichts der Rückschritte in den USA und der Neukalibrierung in der EU zunehmend auf den asiatisch-pazifischen Raum und den globalen Süden verlagerte. Die Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträger in den meisten G20-Ländern sind trotz widriger Umstände weiterhin auf dem Weg zur Netto-Null-Reform, müssen jedoch schneller, gemeinsamer und entschlossener handeln. Die im Rahmen des Pariser Abkommens abgegebenen neuen Klimaschutzzusagen haben den globalen Temperaturanstieg im Laufe dieses Jahrhunderts nur geringfügig verringert, sodass die Welt weiterhin auf eine erhebliche Verschärfung der Klimarisiken und -schäden zusteuert.

Andererseits: Die zur Transition benötigten Technologien sind da, massiv gesunkene Kosten für erneuerbare Energien würden ein schnelles Umlenken möglich machen und auch der Fahrplan für den Ausbau inklusive der Vorteile ist ausformuliert. Und: Seit 2020 hat sich die Zahl gezielter Maßnahmen im Kontext von Klimastrategien in den G20-Staaten verdreifacht. Die Analyse des Net Zero Policy Reports identifizierte über 1.000 politische Instrumente in den G20-Staaten, die mit dem Übergang des Unternehmens- und Finanzsektors zur Netto-Null verbunden sind. Bei den Offenlegungen, Taxonomien und der Transitionsplanung wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Eine wachsende Zahl an Rechtsnormen (z.B. CRD VI, KWG Neue Fassung) und Vorgaben fordern Unternehmen und Finanzinstitute dazu auf, die Auswirkung der Transition auf Ihr Geschäft zu analysieren und ihre Fortschritte zu veröffentlichen.

Für Finanzinstitute erzeugt dies die Herausforderung, in diesem Umfeld die Übersicht zu behalten. Dabei unterstützen will der VfU Sustainable Finance Themenradar, den wir im November veröffentlicht haben. Der Themenradar befragt jährlich Sustainable Finance Professionals dazu, welche nachhaltigkeitsnahen Themen in der nächsten Zeit zu priorisieren sind. Ein Ergebnis: Im Kontext der gegenwärtigen globalen Unsicherheit betonen zahlreiche Institute die Risikominimierung und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Trotz aller Umbrüche sehen die NachhaltigkeitsmanagerInnen sich in einer aktiven und aktivierenden Rolle, den Wandel in ihrer Organisation zu gestalten, bei denen auch ihre Nachhaltigkeits-Fachkompetenz weiter gefragt bleibt. Die Hälfte der Befragten (55 Prozent) gehen davon aus, dass die strategische Rolle der Sustainability Offices in den nächsten 5 Jahren zunimmt.

Darüber hinaus finden Sie in dieser Newsletter wie gewohnt eine weitere Auswahl an Initiativen, Gesetzen und Publikationen zum ganzen Themenbereich Sustainable Finance, die wir Ihnen gerne zur Aufmerksamkeit bringen

Ihr VfU Team

Über dieses Dokument

Autor des Beitrags: VfU Admins
Veröffentlichungsdatum: November 28, 2025